Die digitale Vernetzung in Afrika ist gerade mit gutem Grund vieldiskutiert. Abgesehen davon wird oft übersehen, dass Afrika in manchen Bereichen der Technologie weiter ist als wir in Mitteleuropa, speziell in Deutschland. Zum Beispiel, was Mobile Banking angeht. Gerade in Gegenden mit weniger ausgebauter Infrastruktur oder unsicheren Gebieten hat sich die Bezahlung mit dem Handy bewährt. Wie stark und wie schnell sich dieses Prinzip etwa in Kenia ausgebreitet hat, ist Gegenstand einer soeben veröffentlichten Studie [PDF], über die das Freakonomics-Blog der New York Times schreibt.
Nur vier Jahre nach dem Launch des führenden Payment-Systems, so berichten die Forscher William Jack und Tavneet Suri vom MIT, nutzen zwei Drittel der Haushalte in Kenia das mobile Bezahlen per Handy. Ein kurzer Vergleich von Äpfeln mit Birnen: in Deutschland haben lediglich 20% der Erwachsenen eine Kreditkarte. Gerade die widerborstigen Kartenkonzerne, die ihre Milliardenumsätze gefährdet sehen, sind aber einer der Gründe, weshalb die Bezahltechnologie in der westlichen Welt nur zaghafte Fortschritte macht. Die flächendeckende Einführung von paypal Anfang des Jahrtausends war der letzte große Schritt, ansonsten regieren Kreditkarten (Erfindung: 1894), Kontolastschrift (Erfindung: 11. Jahrhundert) oder Nachnahme (geschätzte Erfindung: Bronzezeit) als Zahlungsmöglichkeiten.
Das wird sich 2011 ändern, und zwar mit der Einführung von NFC (Near Field Communication), eine Technologie, die – der dem Englischen mächtige Leser wird es bereits ahnen – die Kommunikation auf sehr nahe Distanzen (Reichweite ca. 10 cm) deutlich verbessert. Eigentlich absurd, dass man heute mit dem durchschnittlichen Smartphone zwar mit einem Server in San Francisco in höchster Sicherheitsstufe kommunizieren kann, aber nicht mit der elektronischen Kasse ein paar Zentimeter entfernt. NFC soll sich dieses Jahr nicht nur einer Reihe von Android-Mobiltelefonen finden, es gibt auch Gerüchte, dass das iPhone5, das zweiten Gerüchten zufolge im Juni erscheint, NFC-fähig sein wird, was aber dritte und vierte Gerüchte (bitte selbst bingen) sowohl bestätigen wie auch dementieren.
Klar ist aber, dass neben der Notwendigkeit von elektonischer Kommunikation im Nahbereich über das in der täglichen Verwendung schwerfällige Bluetooth hinaus (Erfindung: 1998, bzw. 10. Jhd.) auch das Bezahlwesen ein dringendes Update braucht. Immerhin experimentiert VISA inzwischen mit NFC-Technologien, die das Handy zur Kreditkarte und diese damit überflüssig machen. Und vielleicht – Apple ist immer für Überraschungen in unerwarteten Branchen gut – ist die nächste VISA-Kreditkarte im iPhone 5 schon integiert. Das Kartenunternehmen könnte die Endgeräte in die Läden der Welt hineinpressen, wäre technologisch endlich im 21. Jahrhundert angekommen und würde vermutlich durch Selbstkannibalisierung überleben. Und Steve Jobs würde wieder mal eine Industrie umwälzen, was ja sein Hobby zu sein scheint.