Ab und an benutze ich in Vorträgen ein erstaunliches Faktum aus dem Jahr 2003: damals lautete das bei Google meistgesuchte Wort in Deutschland Yu-gi-oh. Was? Eben. Es handelt sich um ein schönes Beispiel dafür, dass im Internet große und größte Entwicklungen an einem vorbeigehen können, ohne dass man das geringste davon mitbekommt. Schon allein deshalb bin ich Fan solcher Trends, abgesehen davon, dass sie viel über die Beziehung der Leute zum Netz aussagen.
Mein derzeitiger Favorit ist übrigens der benachbarte Ngram Viewer von Google, mit dem man die Häufigkeit von Begriffen in Büchern über die Jahre und Jahrhunderte visualisieren kann. Hinter dem Link findet sich der Vergleich der Worthäufigkeit von Fernsehen, Zeitung, Radio und Internet. Überraschung: bis 2002 lag Radio stets deutlich in Führung. Was natürlich auch an der vielseitigen Verwendbarkeit des Worts liegen könnte, aber wer möchte sich seine Dateninterpretationen schon von der schnöden Realität vergiften lassen.
Das Tool, von dem der obenstehende Screenshot stammt, ist dagegen ein ganz normales Widget, dass die wichtigsten Suchtrends des Jahres 2010 abbildet und gegenüberstellt. Sie sind dicht am Erwartungshorizont entlanggestaffelt, kaum Überraschungen der Preisklasse Yu-gi-oh, wie auch bei den unten abgebildeten Suchcharts. Bis auf ein seltsames Rätsel: weshalb* in drei Interwebs Namen googelt eine solche Vielzahl von Menschen bloß das Wort “test”?

*(Eine naheliegende, aber unbefriedigende Antwort wäre, dass hier nur “test” steht, die tatsächlichen Suchbegriffe aber “iphone test” oder “nikon d500 test” lauten. So würde sich auch das ebenso seltsame Wörtchen “you” erklären: Leute, die nach you- äh, tube suchen.)