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Eine Vision aus Glas? Irgendwann vielleicht

ProjectGlass

Die Brille. Ein Konstrukt, welches man im sechsten Jahrhundert vor Christus angeblich das erste Mal erwähnte. Das, was man wirklich Brille und damit Lesehilfe nennen konnte, wurde dann allerdings Ende des 13.ten Jahrhunderts in der Toskana gesehen. Das Gebilde, welches man sich gemeinhin auf die Nase setzt. Und nun? Jetzt haben wir 2012 und Google hat das Project Glass aus der Traufe gehoben.

Noch ohne genaue Infos, nur mit einer Vision. Die Brille, nicht nur als Lesehilfe, sondern auch als Begleiter durch alle Lebenslagen. Nicht lange ist es her, da beschrieb ich noch, dass vielleicht noch dieses Jahr Googles Android-Brille auf den Markt kommen soll. Was sie kann, wozu sie da ist? Weiss wohl bislang niemand so genau. Ich träumte ein bisschen herum und machte das Ganze am Beispiel von Augmented Realitiy fest.

IPcalypse now!

Freunde der digitalen Panikmache aufgepasst: Wer die Y2K-Problematik mochte, wird auch die unmittelbar bevorstehende IPcalypse gutfinden. Über den Twitteraccount @IPv4countdown (ARPAgeddon) kann man den Countdown zum Netzweltuntergang verfolgen und findet dort solche Botschaften:

Der Hintergrund ist rasch erklärt: die IP-Adressen, aufgebaut aus vier dreistelligen Zahlen zwischen 0 und 255, sind bekanntlich die Namensschildchen des Internet, von denen jeder Netzteilnehmer eins braucht. Und die werden in wenigen Tagen, etwa am 2. Februar 2011 gegen Mittag sämtlich vergeben sein, weil man sich bei der Einrichtung der IP-basierten Vernetzung 1982 nicht vorstellen konnte, dass 4.294.967.296 verschiedene Adressen irgendwann aufgebraucht sind.

Zum Glück geht die Welt dann aber – trotz des unspektakulären, aber schönen Countdown-Widgets auf dieser Seite (“v4 Exhaustion”) – nicht unter. Vermutlich. Denn schon seit vielen Jahren arbeiten unter anderem die Ingenieure hinter dem Internet, die Internet Engineering Task Force mit ihrer beeindruckend hässlichen Webseite an der geräuschlosen Einführung der IPv6-Adressen – weshalb am 2. Februar auch ziemlich sicher nichts passieren wird.

Um nämlich nach nicht einmal dreißig Jahren besser dazustehen als ihre Vorgänger, hat die Task Force sich nicht lumpen lassen und ordentlich in die Adresskiste gegriffen: der IP-Adressraum Version 6 verfügt über unknapp bemessene – fast möchte ich von großzügig sprechen – 340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.768.211.456 theoretisch mögliche IP-Adressen.

In Worten: Dreihundertvierzig Sextillionen zweihundertzweiundachtzig Quintilliarden dreihundertsechsundsechzig Quintillionen neunhundertzwanzig Quadrilliarden neunhundertachtunddreißig Quadrillionen vierhundertdreiundsechzig Trilliarden vierhundertdreiundsechzig Trillionen dreihundertvierundsiebzig Billiarden sechshundertsieben Billionen vierhunderteinunddreißig Milliarden siebenhundertachtundsechzig Millionen zweihundertelftausendvierhundertsechsundfünfzig oder kurz: 3,4×10^38.

Selbst wenn man bedenkt, dass die Hälfte davon für Geräte reserviert sind, reicht die andere Hälfte noch eine Weile aus. Um genau zu sein, würde es bei einer Verhundertfachung des “Verbrauchs” von derzeit vier Millionen am Tag vergebenen IP-Adressen immer noch fast eine Quadrilliarde Jahre dauern. Die Internet Engineering Task Force hat also recht elegant das Problem in die Zukunft verschoben und den Kopf so gerade eben aus der Schlinge gezogen.

Ironie des Schicksals jedoch: nur jedes Zweihundertmilliardste der geschätzt 6*10^49 Atome auf der Erde könnte mit IPv6 eine eigene IP-Adresse bekommen. Und von der bekanntesten Superzahl 10^100, mit bürgerlichem Namen “Googol” – Namensgeber von Google und damit eigentlich prädestiniert in Internetdingen – ist man noch unangenehm weit entfernt. Vielleicht wird’s mit IPv7 ja was.

Strom ohne Kabel


Die Firma Energizer macht den alten Menschheitstraum wahr und Ladekabel überflüssig. Im Video via Mashable überträgt eine glattschwarze, vulkanglasartige Glanzoberfläche von Geisterhand Energie in ein iPhone 4! Einzige, minimale Eintrübung: natürlich beinhaltet der iPhone-Akku noch nicht die für die drahtlose Stromübertragung notwendigen Zauberspulen, weshalb man eine klobige Plastikkrempe um das Handy herum stecken muss, von der Eleganz her durchaus dem durchschnittlichen orthopädischen Schuh ebenbürtig. Aber sonst – reine Magie. Und hoffentlich bald Standard.

Webwaffen

Das obenstehende Video aus dem Sommer 2010 zeigt eine Spielzeugwaffe, kontrolliert über den Laptop, versehen mit einer Webcam sowie ein paar Sensoren, die Eintretende mit ein paar lustigen Geräuschen und römisch anmutend mit “Salve” begrüssen, und zwar einer Salve Plastikpatronen. Gut möglich, dass dieses Video einem Waffennerd aus dem US-Staat Georgia als Inspiration diente.

Dort wurde nämlich im Herbst eine webkontrollierten Schussanlage entdeckt (Foto siehe Link), die mit Webcam und IP-Steuerung auf einen Jagdgrund gerichtet war. Der ermittelte Besitzer gab an, er habe die Apparatur erproben wollen, sie sei noch nicht soweit, dass man damit richtig jagen könne. Der eigentliche Zweck sei die Errichtung einer ferngesteuerten Wildschweinpopulationskontrollanlage.

Aber man muss noch nicht einmal besonders paranoid sein, um sich viele unangenehme Kontexte von via Web bedienbaren Waffen auszudenken. Die zunächst klar militärisch genutzten Spähdrohnen haben ihren Weg in Form der AR Drone längst ins Private gefunden. Es macht übrigens viel Spass, eine solche webcambewehrte Drohne mit iPhone oder iPad zu fliegen, und zwar für etwa acht Minuten, bevor es für den Nichtvoyeur völlig langweilig wird.

Um in einer Welt, in der immer mehr Geld für Hochtechnologie im Bereich der (vermeintlichen) Privatsicherheit ausgegeben wird, in die Zukunft zu blicken, reicht es wahrscheinlich, die bloße Existenz der webkontrollierten Schussanlagen linear weiterzudenken und zu verbinden mit der Entwicklung webkontrollierter Bildschussanlagen.

Diese Seite, Unsecured Webcams, listet Suchanfragen via Google auf, die ungesicherte, im Netz hängende Webcams auffindet, teilweise gar über den Browser zu steuern. Zwar sind über das Netz kontrollierte Waffen wie die erwähnten aus Georgia sogar in Georgia verboten. Das heisst aber nicht zwingend, dass wir uns nicht schon mal auf die Seite “Unsecured Webguns” freuen sollten. Auf eine Art.

(via Retweet durch den sehr verfolgenswerten Twitteraccount von William Gibson, ja, DEM William Gibson, dem Erfinder des Begriffs Cyberspace, der “Matrix”, dem prägenden Autor des Cyberpunk-Genre)

Word Lens

Ok, das ist krass:

Diese großartige App heißt “Word Lens” und möchte der Universalübersetzer der Zukunft sein. Mithilfe der Kamera wird der zu übersetzende Text erkannt und in Echtzeit übersetzt. Bisher ist nur eine Übersetzung Englisch-Spanisch und zurück möglich, aber es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn nicht bald neue Sprachen hinzukommen.

Die App ist kostenlos für das iPhone 3GS, iPhone 4 und iPod touch 4 mit iOS ab 4.0 erhältlich. Die Sprachpakete kosten allerdings 3,99 Euro das Stück.

Die Android-App “Google Goggles” versucht Ähnliches – mit dem Unterschied, dass dort Texte fotografiert werden, bevor die App sich an der Übersetzung versucht.

Flexible Flatscreen Future

Diesem fast vierminütigen Videoclip muss man eine ganze Menge verzeihen:
• den intensiven Einsatz von Comic Sans-Schrift
• die Effekte, die das instantane Gefühl “Wetten, dass ’87″ erzeugen
• die Stimme, die einem im Fernsehen schon häufiger Umluftgrills verkaufen wollte
• die Musik und die Soundeffekte, vermutlich beides von der CD “Tausend tolle Töne” (Beilage “Computer heute”, 3/1997)
• die Langatmigkeit ebenso wie die Ausführlichkeit am scheinbaren Thema vorbei in Richtung Beschichtung und Glasträger

Wenn man das alles aber ausgeblendet hat, dann kommt der Prototyp eines Produkts zum Vorschein, das das Zeug hat, die elektronische Welt zu verändern in einem Ausmaß wie etwa der Touchscreen es zuvor getan hat: ein foliendünnes, flexibles Display. Diese Erfindung erscheint zunächst sehr faszinierend, ein paar Momente später aber wird man vom eigenen Vernunftzentrum zur Raison gerufen: “Gut, Flatscreens sind jetzt also WIRKLICH flat. Und verbiegen kann man sie. Na und?”

Hier irrt das sonst so verlässliche Vernunftzentrum, das einen damals davor bewahrte, AOL-Aktien zu kaufen. Denn die Tragweite von flexiblen Bildschirmen ist kaum zu überschätzen. Dabei ist es weniger relevant, dass man – wie im Video angedeutet – einen Screen in einem Kugelschreiber (wofür brauchte man den noch gleich?) aufrollen kann. Sondern vielmehr, dass keine starre Trägeroberfläche wie Glas mehr notwendig ist: der Screen passt sich den Form-Gegebenheiten an. Übersetzt bedeutet das: alle möglichen Oberflächen können demnächst mit Bildschirm beschichtet werden – und sind somit digital gestaltbar.

Spielereien wie digitale Tapete oder digitaler Autolack bleiben eben das: Spielereien. Wirklich interessant wird es, wenn durch die Bildschirmbeschichtung kombiniert mit einer Touch-Oberfläche und ein paar Sensoren Gegenstände zu ihrem eigenen Interface werden. Kabel zeigen an, wieviel Strom oder welche Daten durch sie fliessen. Außen am Fenster klebt eine foliendünne digitale Wetterstation, die alle lokal und regional verfügbaren Wetterdaten anzeigt. Die EC-Karte lässt nach Codeeingabe das verfügbare Budget erkennen. Nicht, dass diese Funktionen nicht schon vorher möglich gewesen wären – sie werden mit dieser Technologie nur erstmals praktikabel.

Mit einem foliendünnen, flexiblen Touchscreen gibt es kaum noch ein Interface, das nicht zumindest theoretisch den Wandel von der Hardware zur Software mitmachen könnte. Mit dem Auftauchen des Handy auf dem Massenmarkt Mitte der 90er konnte man sich kaum vorstellen, dass die Nummerntasten ein paar Jahre später nur noch aus Software bestehen würden. Vielleicht ist die damalige Skepsis die gleiche, mit der man heute glaubt, dass Lichtschalter, Türschloss und Wasserhahn mechanische Benutzeroberflächen haben müssten.

Liebe Tante Gerda,

vielen Dank für Deinen lieben Brief und das beigelegte Geld. Ich habe mich sehr darüber gefreut, aber Du weißt ja, dass Du mir wirklich kein Geld mehr schicken brauchst.

Ich hätte natürlich schon viel früher wissen müssen, dass ich Dir näher erklären sollte, womit ich mein Geld verdiene, als Du mich in Deinem vorletzten Brief nach meinem neuen Beruf gefragt hast. Es war dumm von mir, Dir einfach nur zu schreiben: “Web 2.0 und Social Media”. Entschuldige bitte. Hättest Du mir damals als Kind, als ich Dich danach gefragt habe, was Du beruflich machst, einfach nur gesagt, dass Du Schnitzelteile und Stelze aus dem Schlögl tranchierst, hätte ich auch nicht gewusst was das ist.

Darum möchte ich Dir jetzt erklären, was ich tue.

Erinnerst Du Dich noch, als Du Mitte der Neunziger ein neues Kochtopfset brauchtest? Ich weiß noch wie Du eines Abends erst bei Deinen Nachbarn, und zehn Minuten später noch bei Tante Sieglinde angerufen hast, um sie zu fragen, welche Töpfe sie benutzen, wo sie sie gekauft hätten, wie teuer sie gewesen wären und ob sie damit zufrieden seien. Die Nachbarn hatten sehr teure Töpfe, die sie Dir dringend empfohlen, aber Du wolltest nicht so viel Geld ausgeben. Tante Sieglinde hatte ihre Töpfe sehr günstig in so einem Sonderpostengeschäft gefunden, ärgerte sich aber darüber, dass das Essen oft anbrannte und man die Griffe nicht ohne Topflappen anfassen konnte. Du warst nach den Telefonaten nicht schlauer als vorher und hast dann zwei Wochen später im Kaufhaus diese mittelteuren Töpfe gekauft, von denen die Verkäuferin mit diesem treudoofen Blick meinte, dass es das beliebteste Topfset aller Kunden wäre.

Das Essen, das Du damit gekocht hast, war meist gut. Aber Du hast Dich am Anfang darüber beschwert, dass die Deckel nicht ganz auf die Töpfe passten und dass sie schon nach dem zweiten Abwasch nicht mehr komplett sauber wurden. Als Du versucht hast, die Töpfe zu reklamieren, sagte man Dir im Kaufhaus, dass Du Dich direkt an den Hersteller wenden und die Töpfe einschicken müsstest. Aber sie konnten Dir nicht sagen, an welche Adresse Du schreiben musst und wie die Reklamation genau funktionierte. Also hast Du Dich mit den Töpfen arrangiert, ohne so richtig glücklich mit ihnen zu sein. Weiterempfohlen hast Du sie nie, wenn Du von den Frauen aus der Wandergruppe gefragt wurdest.

Vom neuen Topfset, das Dir Horst zu Eurem Hochzeitstag geschenkt hat, bist Du auch nach über einem Jahr noch sehr begeistert, wie Du immer sagst. Um das perfekte Topfset für Deine Bedürfnisse auszusuchen, hatte mich Horst zwei Wochen vor dem Hochzeitstag angerufen. Nicht, weil ich ein Topfexperte wäre, sondern weil er wusste, dass ich auch schon beim Kauf von Omas neuem Rollator im Internet nützliche Tipps gefunden hatte und Oma ihr Gefährt sehr mochte.

Zusammen mit Horst habe ich mich dann an meinen Laptop gesetzt und im Internet nach Testberichten für Topfsets gesucht. So konnten wir uns erstmal überhaupt einen Überblick verschaffen, wie viele verschiedenen Topfvariationen zu welchen Preisen es gibt. Und wir erfuhren, welche Eigenschaften wichtig sind und einen guten Topf ausmachten. Wir erstellten zusammen eine Vorauswahl und suchten zu jedem dieser Topfsets dann Meinungen von Kunden, die sie gekauft hatten. Horst konnte gut einschätzen was Dir an einem neuen Topfset wichtig ist, also achteten wir besonders auf diese Aussagen. Und Deiner Begeisterung nach zu urteilen, haben wir uns im Endeffekt genau für das richtige Topfset entschieden.

Das – ungefähr – ist Web 2.0: Viele Menschen machen dabei mit, sich im Internet über Dinge zu unterhalten. Und andere Menschen profitieren von diesen Unterhaltungen, weil sie dadurch ihr Wissen vergrößern und bessere Entscheidungen treffen können.

Du hattest es bei Deinem alten Topfset ja schnell aufgegeben, zu versuchen, es beim Hersteller zu reklamieren, weil Du keine Ahnung hattest, wie Du mit dem Unternehmen überhaupt direkt in Kontakt treten kannst. Und Du kanntest niemanden, der Töpfe vom gleichen Hersteller gekauft hatte und Dir einen Tipp geben konnte. Heute kann ich es Dir ja sagen: Wir hörten Dich beim Kochen oft leise fluchen: “Nie wieder dieser Hersteller!”

Und genau an dieser Stelle kommt Social Media ins Spiel, liebe Tante Gerda.

Stell Dir vor, dass der Hersteller Deines alten Topfsets sich immer gefragt hat, warum er im Laufe der Jahre immer weniger davon verkauft hat. Er hat ab und zu in ein paar Tageszeitungen Werbeanzeigen geschaltet, hat zusammen mit dem einen oder anderen Kaufhaus ein Gewinnspiel veranstaltet. Aber bei ihm kamen nur ganz selten unverfälschte Informationen darüber an, was Käufer wie Du von seinen Töpfen überhaupt hält. Und wie die Kunden den Service fanden. Und was sie an den Töpfen verbessern würden. Der Hersteller hat jahrelang einfach immer weiter die Töpfe produziert und gehofft, dass Kunden wie Du schon damit zufrieden sind. Der Hersteller wusste, in welchen Gegenden er mehr – und in welchen Gegenden er weniger Töpfe verkaufte, aber er wusste nie genau warum. Er konnte nur spekulieren, dass dort Kunden wohnten, die ihren Nachbarn, Freunden und Verwandten bei ihrer Einkaufsentscheidung halfen und die Topfsets entweder empfohlen oder vom Kauf abrieten.

Firmen wie der Topfhersteller kommen zu mir, um mit mir zusammen zu überlegen, wie sie mit ihren Kunden direkt in Kontakt treten können. Sie möchten wissen, was die Kunden an ihren Produkten mögen und was nicht. Sie möchten wissen, welche Eigenschaften sich die Kunden für die Produkte wünschen. Sie möchten wissen, was die Kunden an Konkurrenzprodukten mögen und was nicht. Sie möchten individueller auf Kunden eingehen, weil es so viele Konkurrenten gibt, die ähnliche Produkte anbieten – und der Service heutzutage oftmals das einzige Unterscheidungskriterium ist, was einen Hersteller von einem anderen unterscheidet.

Im Web 2.0 treffen sich diese Kunden und tauschen untereinander genau diese Informationen aus. Und der Hersteller kann nicht kontrollieren, ob andere Kunden davon erfahren, wie viele Käufer das Produkt und den Service schlecht finden.

Was er aber tun kann, ist selbst zu diesen Treffpunkten zu gehen und dort direkt mit den Kunden zu reden. Denn in diesen Treffpunkten kann er nicht nur all das finden, was er sucht, sondern auch und vor allem selbst beim Austausch dabei sein und so direkt mit den Menschen reden, die seine Produkte kaufen: Er erfährt was die Menschen an seinen Produkten mögen, was sie nicht mögen, was sie ändern würden, erhält Anregungen für neue Produkte und kann aktiv daran mitgestalten, wie Kunden über ihn reden.

Das alles ist nicht nur gut für den Hersteller, sondern auch für Dich als Kunden, liebe Tante. Du kannst jetzt nämlich dem Hersteller sagen, dass die Topfdeckel wackeln, dass Du aber die Handgriffe magst, dass Du Dir aber wünschen würdest, dass es Töpfe gäbe, bei denen das Essen gar nicht erst anbrennen kann. Und wenn der Hersteller dann auf Deine Wünsche hört, seine Topfsets nach Deinen Vorstellungen baut, Du darum wieder seine Töpfe kaufst, Du sehr zufrieden mit dem neuen Topfset bist, Du freudestrahlend Deinen Nachbarn und Bekannten von den tollen Töpfen berichtest, der Hersteller plötzlich ganz viele Topfsets verkauft und Du jeden Abend andere Gäste bekochst, dann, liebe Tante Gerda, habt ihr beiden am eigenen Leib erfahren, wie Social Media geht.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch bei Euch und vor allem auf Deine tollen Kohlrouladen. Grüß bitte Onkel Horst ganz lieb von mir!

Liebe Grüße

Dein Björn

“12 Events that will change everything”

Was nützt uns das schönste iPad, das tollste Webdesign, die weltallerbeste Social-Media-Kampagne, die interessanteste Messe, der lukrativste Job oder die bahnbrechendste Startup-Idee, wenn es nur ein Ereignis braucht, das alles Dagewesene auf der Welt ändert? Genau, warum also überhaupt probieren, wenn es eh nichts bringt?

12 events that will change everythingStattdessen nutze ich lieber meine restliche verbleibende Zeit mit dem Studium der wundervollen Präsentation “12 Events that will change everything“, das auf dem gleichnamigen Artikel aus der Zeitschrift “Scientific American” basiert, der in der Juni-Ausgabe des Blatts veröffentlicht wird.

12 Events that will change everything” versucht zu antizipieren, welche 12 Ereignisse mit welchem Umfang, mit welchen Auswirkungen, sowie mit welcher Wahrscheinlichkeit des Eintreffens die Welt verändern könnten. Jedes dieser Ereignisse habe laut Scientific American die Macht, die Art und Weise unseres Denkens und unseres Lebens von Grundauf umzuformen.

Die 12 Ereignisse sind:
- Das Schmelzen des Eises der Pole und Gletscher
- Das Entdecken neuer Dimensionen
- Das Zusammentreffen mit Außerirdischen Lebensformen
- Ein Atomkrieg
- Das Erschaffen von künstlichem Leben aus synthetischen Zellen (Halt, da war doch kürzlich etwas?)
- Das Finden eines Raumtemperatur-Supraleiters, um Energie verlustfrei und kostensparend über große Strecken transportieren zu können
- Das Ich-Bewusstsein von Künstlicher Intelligenz
- Das Klonen von Menschen
- Ein Erdbeben im Pazifischen Ozean (und seine Auswirkungen auf die Westküste Nordamerikas)
- Fusionsenergie (energieeffizient und dauerhaft nutzbar)
- Ein Asteroideneinschlag
- Eine tödliche Pandemie

[via]

Text 2.0

Imagine there were input devices which could allow text to know if and how it is being read – how would this change the reading experience?

“Wäre es nicht toll, wenn das Buch, das ich lese, jederzeit weiß an welcher Stelle ich gerade bin und mir dabei hilft, es zu verstehen oder mein Lesevergnügen zu vergrößern?” So oder ähnlich müssen ein paar Informatiker des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz gedacht haben, bevor sie mit der Entwicklung von Text 2.0 begannen.

Text 2.0 ist ein Forschungsprojekt von Ralf Biedert, Georg Buscher and Andreas Dengel. Auf der Cebit stellte die Gruppe ihre Arbeit das erste Mal einem breiten Publikum vor. Die Idee hinten dem “Blickaktiven Text” ist: Text 2.0 erkennt anhand eines Eyetrackers, was gerade gelesen wird und reagiert darauf mit diversen Hilfestellungen, die das Lesen, Verstehen und Verarbeiten von Texten erleichtern sollen.

Sound: Der Eyetracker erkennt, an welcher Stelle man sich befindet und reagiert darauf, indem beispielsweise akustische Untermalungen zum gerade Gelesenen eingespielt werden.

Übersetzungen: Versteht der Leser ein Wort nicht, wird eine Übersetzung des Begriffs angezeigt, ohne dass man dict.leo.org oder ein Wörterbuch heranziehen muss.

Begriffserklärung: Fremdwörter und Fachbegriffe werden (als eingeblendete Fußnoten) ausführlich beschrieben, erreicht man einen Begriff, der weiterer Erklärung bedarf.

Grammatik: Es werden grammatikalische Hilfen eingeblendet, z.B. Trennungsregeln für Wörter.

Lesezeichen: Verliert man den Fokus auf den Text, agiert das System als Lesezeichen und zeigt an, an welcher Stelle man das Lesen unterbrochen hatte.

Aussprache: Der Leser kann sich Wörter laut vorlesen lassen und somit lernen, sie korrekt auszusprechen.

Hervorheben relevanter Passagen: Das System erkennt, wenn man einen Text nur querliest bzw. überfliegt und blendet automatisch nur die relevanten Textstellen ein.

Die Idee zu Text 2.0 entstand, nachdem Ralf Biedert im Jahr 2007 damit begann, sich mit seiner Idee der eyeBooks auseinanderzusetzen: programmierte und mit entsprechenden Hilfefunktionen versehe E-Books. Darauf basierend begann in der Folgezeit die Forschung und Entwicklung von Text 2.0.

Das Forschungsprojekt ist allerdings noch weit von einer Marktreife entfernt, da vor allem die Kosten und die Präzision der Eyetracker noch lange nicht auf einem Niveau sind, die einen erfolgreichen Einstieg in den Massenmarkt erleichtern.

[via]

Open Data und e-Government – Initiativen für Transparenz und Offenheit

Eines der interessantesten Panels der kommenden Webciety findet am 4. März um 15 Uhr statt und trägt den Namen “Politik, Demokratie und das Web 2.0“.

Auf dieser Veranstaltung werden Markus Beckedahl, Anke Domscheit, Dr. Martin Lindner und Rolf Luehrs die Veränderungen diskutieren, die das Web 2.0 und die sozialen Medien auf die gesellschaftlichen und politischen Prozesse haben. Zwei Themen, die dabei ebenfalls eine Rolle spielen werden, sind Open Data und e-Government.

Linked Open DataWas ist Open Data?

Open Data bezeichnet das Bestreben, Wissen, Informationen und Daten für jedermann frei zugänglich zu machen.
Viele unterschiedliche Gruppierungen aus verschiedenen sozialen und politischen Bereichen suchen Wege und Mittel, um den gesellschaftlichen Übergang zur Wissensgesellschaft für alle Menschen gleichberechtigt möglich zu machen und die künstliche Verknappung von Informationsflüssen zu verhindern. Sie haben zum Ziel, die Zivilgesellschaft dadurch zu stärken, indem der freie Zugang zu Informationen eine Grundvoraussetzung wird.

Vor allem fordern die in Netzwerken und Gruppen organisierten Aktivisten den vollen und ungehinderten Zugang zu Daten aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung – mit der Einschränkung, dass nur Daten, die keinen Datenschutz- oder Sicherheitsbeschränkungen unterliegen freigegeben werden sollen.
Diese Forderung wird mit zwei Argumenten begründet: zum einen sei die Erhebung und das Anlegen dieser Daten aus Steuergeldern der Bürger finanziert, was die Daten zu einem Allgemeingut mache; zum anderen sei der Zugang zu den Informationen von gesellschaftlichem Nutzen, da dadurch jeder einzelne Bürger die Möglichkeit bekomme, qualifizierte Entscheidungen für sein individuelles Wohl zu fällen, sowie politische und gesellschaftliche Prozesse für alle Bürger offen, transparent, verständlich und zum Wohle der Menschen gestaltet werden können.

Durch die technischen Möglichkeiten, Daten auf vielfältige Weise auszuwerten und zu analysieren, ergeben sich mit dem Ziel, sowohl einen allgemeingültigen als auch einen für jedes Individuum konkreten Nutzen zu erreichen, viele Potentiale für die Entwicklung neuer Anwendungen und Dienste.

Der Begriff Open Data wird seit etwa fünf Jahren verwendet und ist somit vergleichsweise neu. In der Wissenschaft wird das Konzept der offen verfügbaren und standardisierten Daten jedoch schon seit längerem thematisiert. Die zentrale Forderung besagt, dass wissenschaftliche Daten der Allgemeinheit gehören, da sie Fakten darstellen und daher nicht copyrightberechtigt sind. Im Jahr 2004 unterzeichneten die Wissenschaftsminister aller OECD-Staaten eine Vereinbarung, wonach alle Daten, die durch öffentliche Gelder erhoben werden, frei zugänglich sein sollen.

e-governmentWas ist E-Government?

Der technische Fortschritt, damit ist in diesem Fall hauptsächlich das Internet gemeint, ermöglicht nicht nur Privatleuten, sondern auch dem Staat im Dialog mit den Bürgern und staatlichen Institutionen in internen Prozessen vereinfachte Wege der Organisation und Durchführung von Informationsaustausch und Kommunikation. Zu diesem Zwecke werden zurzeit in vielen Nationen die Rahmenbedingungen geschaffen, um E-Government auf allen Ebenen zu etablieren. Besonders das innovations- und technologiefeindlicheängstliche Deutschland hinkt bei der Schaffung dieser Rahmenbedinungen Ländern wie den USA oder Großbritannien hinterher.

Neben technischen und rechtlichen Hürden gilt es dabei vor allem, die Akzeptanz der neuen Informations- und Kommunikationstechniken bei allen Bürgern (und vor allem Entscheidungsträgern) zu erreichen. Denn die Vorteile für beide Seiten (Bürger und Behörden) liegen auf der Hand: Der Bürger ist nicht mehr an Öffnungszeiten gebunden, um in Kontakt mit den Behörden zu treten oder individuelle Informationen zu erhalten. Er erhält einen besseren Einblick in die Abläufe und Regelungen, da ihm alle Formulare, Bestimmungen und Gesetze zur Verfügung gestellt werden. Behörden können viele Verwaltungsprozesse standardisieren und automatisieren, um Ressourcen für Sonderfälle zu schaffen, was Kosten spart, serviceorientierter wird und die Transparenz (und damit Akzeptanz bei den Bürgern) erhöht.

Bis es aber vor allem in Deutschland so weit ist, dass man sich nach einem Umzug einfach online ummelden kann oder für die Beantragung eines Reisepasses nicht mehr stundenlang im Bürgeramt warten muss, werden, besonders aufgrund der geringen Bereitschaft eines Großteils der Bevölkerung, sich innovativen Verwaltungsabläufen zu öffnen, noch ein paar Jahre ins Land gehen.

[Quellen: 1, 2, 3, 4, 5]