Wie ich einmal die Grusellinie überschritt
Man neigt ja doch immer wieder dazu, die Wirklichkeit zu unterschätzen: in der Theorie weiss man bescheid, dann passiert das theoretisch Bekannte und man ist doch erstaunt oder sogar perplex. Bei der Euro-Einführung vor zehn Jahren ging es mir so, als ich plötzlich anderes Geld in den Händen hielt, von dem ich vorher hundertmal gelesen hatte.
Und dann vor einigen Tagen, bezeichnenderweise in einem Feld, in dem ich mich einigermaßen auskenne: Online-Werbung. “Einigermaßen” ist dabei weder Koketterie noch Understatement, sondern trifft etwa die Wahrheit. Die Älteren, an mir Interessierteren werden sich erinnern, dass ich mal eine Firma für Werbung in Blogs unterhielt, deren Schaffenshöhepunkt eine Kampagne für ein Mobilfunkunternehmen war, dessen Testimonial ich zudem war. Im Rahmen dieser Blogvermarktungsagentur musste ich – wissend, dass Online-Werbung aus wirklich jeder Perspektive gesehen langweilig ist – mir technische und inhaltliche Kenntnisse bis zu einem Grad aneignen, der mehrminütige Gespräche mit Fachleuten erlaubt. Und zwar ohne dass ich doofe Fragen stelle (ja, es gibt doofe Fragen), oder wichtige Begriffe entlarvend falsch verwende. Nebenbei eine völlig unterschätzte, selten gelehrte, aber beruflich höchst relevante Fertigkeit: die Expertendialogfähigkeit, die Mitredability. weiterlesen
Die wichtigste Funktion der Cloud, nein, der digitalen Vernetzung insgesamt ist die elektronische, schriftliche Kommunikation – tagelange Loblieder könnte ich singen. Wer weiss schon noch, was man in einem Telefonat vor 45 Tagen vereinbart hat? Aber Mails – so einfach, so schnell, so nachvollziehbar. Leider sind Mails sogar SO einfach, dass für viele schon der Hauch eines Funken einer Ahnung eines Mitteilungsbedürfnis ausreicht, eine Mail oder Privatnachricht zu schicken. Ein schlimmerer Zeitfresser als Mails wäre vermutlich nur, die täglich ca. 250 AGB, denen man per Klick zustimmt, auch wirklich zu lesen.