Wie ich einmal die Grusellinie überschritt

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Man neigt ja doch immer wieder dazu, die Wirklichkeit zu unterschätzen: in der Theorie weiss man bescheid, dann passiert das theoretisch Bekannte und man ist doch erstaunt oder sogar perplex. Bei der Euro-Einführung vor zehn Jahren ging es mir so, als ich plötzlich anderes Geld in den Händen hielt, von dem ich vorher hundertmal gelesen hatte.

Und dann vor einigen Tagen, bezeichnenderweise in einem Feld, in dem ich mich einigermaßen auskenne: Online-Werbung. “Einigermaßen” ist dabei weder Koketterie noch Understatement, sondern trifft etwa die Wahrheit. Die Älteren, an mir Interessierteren werden sich erinnern, dass ich mal eine Firma für Werbung in Blogs unterhielt, deren Schaffenshöhepunkt eine Kampagne für ein Mobilfunkunternehmen war, dessen Testimonial ich zudem war. Im Rahmen dieser Blogvermarktungsagentur musste ich – wissend, dass Online-Werbung aus wirklich jeder Perspektive gesehen langweilig ist – mir technische und inhaltliche Kenntnisse bis zu einem Grad aneignen, der mehrminütige Gespräche mit Fachleuten erlaubt. Und zwar ohne dass ich doofe Fragen stelle (ja, es gibt doofe Fragen), oder wichtige Begriffe entlarvend falsch verwende. Nebenbei eine völlig unterschätzte, selten gelehrte, aber beruflich höchst relevante Fertigkeit: die Expertendialogfähigkeit, die Mitredability. weiterlesen

Twitter Analytics

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Heut vor exakt sechs Jahren sendete Twittergründer Biz Stone den ersten erhaltenen Tweet ab: “just setting up my twttr“. Ja, damals waren Vokale im Web noch out, es war eine andere Zeit. Heute soll Twitter 10 Milliarden Dollar wert sein, was für ein Unternehmen ohne Geschäftsmodell, das bisher nur zaghaft Werbung verkauft, recht viel ist. Aber es gibt Hinweise auf eine weitere Professionalisierung und damit neue Umsatzkanäle bei Twitter. Schon eine ganze Weile zum Beispiel existieren die twittereigenen Analytics.

Was, wie?

Ja. Einige Twitternutzer sind natürlich gleicher als die anderen. weiterlesen

Die Kunst der Mailminimierung – Hermetisches Schreiben

Die wichtigste Funktion der Cloud, nein, der digitalen Vernetzung insgesamt ist die elektronische, schriftliche Kommunikation – tagelange Loblieder könnte ich singen. Wer weiss schon noch, was man in einem Telefonat vor 45 Tagen vereinbart hat? Aber Mails – so einfach, so schnell, so nachvollziehbar. Leider sind Mails sogar SO einfach, dass für viele schon der Hauch eines Funken einer Ahnung eines Mitteilungsbedürfnis ausreicht, eine Mail oder Privatnachricht zu schicken. Ein schlimmerer Zeitfresser als Mails wäre vermutlich nur, die täglich ca. 250 AGB, denen man per Klick zustimmt, auch wirklich zu lesen. weiterlesen

Blogger

Vor lauter Facebookgetöse vergisst man ab und zu, dass dieses Social Media, von dem man soviel hört die Tage, etwas anders angefangen hat. Nämlich mit Blogs. Eine der ersten grossen Blog-Plattformen, Blogger, wurde schon ungefähr im November 1763 von Google gekauft. In den letzten Jahren wirkte Blogger.com allerdings kaum weiterentwickelt, mit verhältnismässig wenig Optionen ausgestattet, nicht mehr zeitgemäss gestaltet – kurz: Googles doch recht lieblos behandeltes Stiefkind. Das soll sich jetzt ändern, Google plant ein Redesign, neue technische Features, eben alles, um die gar nicht so wenigen Blogger-Blogger an die Zehner Jahre heranzuführen. weiterlesen

Social Media-Aufwandsminimierung mit Postling

Leute, die den ganzen Tag twittern, facebooken, bloggen, youtuben, deliciousen, flickrn, posterousen, yelpen, linkedinnen, tumblern, xingen, foursquaren, wordpressen und qypen, kommen oft nicht zum arbeiten. Und auch umkehrt kommen viele, die arbeiten, nicht zum twittern, facebooken, usw. Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es verschiedene selbstgebastelte Lösungen, bei denen zum Beispiel mit ping.fm (fast) alles gleichzeitig geupdatet werden kann. Und es gibt Postling, das eher eine Art Social Media-Zentrale darstellt, ein Cockpit für mehr oder weniger alle Aktivitäten im Social Media-Umfeld. weiterlesen

Kopfhörig

Nein, nein, nein, den offensichtlichen Kopfhörertrend 2011 zur “Neuen Klobigkeit” mache ich nicht mit. Sonst bin ich gern bei jedem Quatsch dabei, atombetriebenes Tablet, drahtlose Ladekabel, Trommelfell-Display, toll, gekauft. Aber das nicht. Leider sind auffällig viele Modelle dieses Jahr von ähnlich schneidender Eleganz wie die Rundziegelsteine auf dem Bild von einem zurecht ungenannt bleiben wollenden Hersteller. Immerhin ist so die Zahl der auszuprobierenden Kopfhörer kleiner geworden, außerdem bin ich sowieso eher Freund von In-Ear-Plugs. Um es gleich zu sagen, ich habe die erhofften Wunschkopfhörer gefunden und musste dafür nur etwa zwanzig verschiedene Vorführmodelle testen, sind der Medizin eigentlich durch Ohrenschmalzaustausch übertragene Krankheiten bekannt? weiterlesen

Cloud am Stiel – der meistfotografierte Mann der CeBIT

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Im Buch “White Noise” von Don DeLillo kommt eine Scheune vor, die als “die meistfotografierte Scheune der Welt” vorgestellt wird. Die Scheune kann nichts besonders, ist nicht aussergewöhnlich gelegen, es handelt sich um eine völlig normale Scheune. Weil alle glauben, dass sie die meistfotografierte Scheune der Welt ist, wird die Scheune aber von Touristen unablässig fotografiert. Und ist deshalb wirklich die meistfotografierte Scheune der Welt, eine schöne selffulfilling prophecy. weiterlesen

Watson auf der CeBIT

Vor ein paar Wochen fand Watson große Aufmerksamkeit, der IBM-Supercomputer, der im amerikanischen Fernsehen bei Jeopardy gewann. Ein Sieg der künstlichen Intelligenz – jedenfalls, wenn man künstliche Intelligenz als eine Mischung aus Spracherkennung, schneller Musterabfrage und Wahrscheinlichkeitsrechnung definiert. Und nun ist Watson auch auf der CeBIT zu sehen, mit deutlich kleinerem Bildschirm zwar, aber immerhin. weiterlesen

CeBIT Wunschvorstellung

Jetzt fängt also die CeBIT an und was auch immer sie bringen wird, eines steht schon jetzt fest: mit dem obigen Bild – die CD fliegt weg, die Wolke kommt hervor – ist der Preis für die platteste Bildsymbolik bereits vorab vergeben. Wobei das noch nicht sicher ist, denn Technologie-Berichterstattung zeichnet sich auch dadurch aus, dass grundsätzlich die allernaheliegendsten Metaphern und Symbolbilder benutzt werden. Sucht man zum Beispiel auf Google nach dem CeBIT-Thema von 2008, Green IT, findet man dort exakt die Bilder, die einem zuallerallererst einfallen: grüne Computer und Computer im Grünen. Die Topvariation sind grüne Computerbauteile. Ich bin gern bereit zu wetten, dass dieses Jahr mindestens 40% aller CeBIT-Artikel professioneller Medien mit Wolken illustriert werden, weil: Cloud Computing – wie soll man das um Himmels Willen auch anders bebildern? Das hängt ziemlich sicher damit zusammen, dass virtuelle Pixelprodukte das undankbarste Symbolbildfeld überhaupt sind. weiterlesen

Wie zu twittern sei

Die Überschrift führt massiv in die Irre, es gibt keine Regeln für Twitter. Man kann und soll so twittern, wie man möchte. Der einzig akzeptable Bewertungsmaßstab ist der selbstgewählte. Wer anderen Leuten Twittervorschriften macht, kann auch beim Nachbarn einbrechen, um dort den Flur neu zu tapezieren, Rauhfaser ist schließlich völlig inakzeptabel.

Aber:
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