Google Music als Chance für lokale Bands?
Doch seit einigen Tagen ist auch ein weitere Mitspieler in das Rennen um die Gunst der Musikkunden eingestiegen. Schwerer als alle anderen hatte es Google im Vorfeld mit den Rechteverwertern unserer Nation, ein Grund, warum Google Music erst verhältnismäßig spät in deutschen Landen startet. Google bietet nicht nur den schnöden Verkauf von Musiktiteln an, sondern man kredenzt zusätzlich kostenlosen Speicherplatz für bereits existente Musik.
Bis zu 20.000 Titel dürfen Nutzer in die Cloud von Google transportieren, um diese mittels Webbrowser oder Mobilgerät von jedem Ort aus streamen zu kommen. Weiterhin sagt Google aus, dass gekaufte Musik nicht auf diesen Speicherplatz angerechnet wird.
Übrigens: eure Musik muss unter Umständen nicht erst mühsam hochgeladen werden. Google liefert ein Upload-Tool mit, den so genannten Music Manager. Dieser stellt die Verbindung von eurem Rechner zur Google Cloud her. Dabei wird überprüft, ob eure auf der Festplatte gespeicherten Songs mit denen aus dem Google-Katalog übereinstimmen. Ist dies der Fall, dann wird der bei Google befindliche Track genommen, ein erneuter Upload ist unnötig.
Ebenfalls interessant dürfte Google Music als Distributionskanal für lokale Bands sein, hinter denen vielleicht kein großes Label mit Werbegeld steht. Google Music stellt unter dem Artist Hub nun auch deutschen Bands die Möglichkeit zur Verfügung, eigene Songs über Google Music zu vertreiben. Jeder Musiker kann eine eigene Seite erstellen, diese kann zum Beispiel Biografie, Fotos, Links sowie Originalmusik, die zum Verkauf angeboten wird, enthalten.
Hierbei kann es sich beispielsweise um Live- oder Studio-Aufnahmen oder um neue Demos handeln. Auf der Seite heißt es: Unabhängige Künstler, die die Verkaufsrechte an ihrer Musik besitzen, können ihre Musik über den Artist Hub verkaufen. Laden Sie hierzu WAV- oder FLAC-Dateien hoch, fügen Sie ein Albumcover hinzu, legen Sie Preise und Freigabeeinstellungen fest und veröffentlichen Sie Ihr Album.
Wie bei anderen Distributoren digitaler Musik auch, schnappt sich Google etwas vom Erlös. 70 Prozent bleiben bei der Band. Die einmalige Einrichtungsgebühr ist moderat, lediglich 25 Dollar zahlt eine Band pro Store-Seite, diese kann unbegrenzt viele Alben und Titel enthalten. Ich bin mal gespannt, wie oft mir in den nächsten Monaten eine Band begegnet, die ihren Anfang aus dem Google Artist Hub genommen hat.

Klingt ja nach unheimlichem Potenzial. Labels werden überflüssig. In unserer Szene (ich weiß nicht ob’s generell in der Musikszene so ist) sprießen Labels nur so aus dem Boden.
Jeder, der elektronische Musik produziert, die kein Label vermarkten will, gründet sein Eigenes und kommt so erst in die Shops. Wenn gute Künstler es clever anstellen, dann könnten sie damit ihren Durchbruch schaffen. Nach diesen Megakarrieren via YouTube, könnten hier Ähnliche starten. Hier fließt sogar Geld vom ersten Moment an und das nichtmal wenig. Zumindest Prozentual. Labels nehmen mind. 50%. Wobei Google meiner Meinung nach ruhig auch noch ein bisschen bescheidener hätte sein können.
Ich bin echt gespannt, wie sich das entwickelt und wann die ersten großen Labels auf die Barrikaden gehen.
Wer weiß, was ein Label ist und eigentlich macht, wird kaum auf die Idee kommen, dass Labels und Vertriebe automatisch überflüssig werden, nur weil ein weiterer mp3-Shop (zu den bestehenden gefühlten 1000) aufgemacht hat. Einen “Durchbruch” schafft man nicht dadurch, dass man einfach sein Zeug zwischen Millionen andere Titel in einen Shop stellt.
Natürlich kann man einen Downloadshop mühelos als Musikurheber selbst nutzen. Aber mühelos wird man trotzdem nicht berühmt oder verdient ein paar Euro.
30% sind übrigens eine recht heftige Marge. Ich wüsste nicht, warum man Google Inc. dafür extra belobigen sollte. Auch 25 Dollar Einstellgebühr ist nichts Besonderes oder gar günstig.
Also neben aller Technikbegeisterung: einiges Wissen über den Musikmarkt muss in Bewertungen schon einfließen.
Ganz nebenbei übrigens: jeder Musiker sollte sich die AGBs von Google mal genauer anschauen, bevor er sein Werk einfach mal nach US-amerikanischem Recht und Gepflogenheiten verteilt…
Noch eine kleine Ergänzung: Coversongs dürfen Nicht-US-Künstler derzeit bei Google Music nicht veröffentlichen.
Klar, was die gesamte Musikszene angeht hast du sicher Recht.
Ich kann hier auch nur von der Szene für elektronische Tanzmusik sprechen. Und auch nur, weil ich aufgrund meiner Nebentätigkeit als DJane viele Künstler kenne, die extra ein Label anmelden, damit sie ihre Stücke bei beatport.com, djshop.de, usw. veröffentlichen können.
Dieser Umweg wäre durch diese Möglichkeit u. U. überflüssig, wenn der Künstler dann ordentlich die Werbetrommel rührt. Das müsste er ja aber auch für sein eigenes Label.