Global Green IT

Global Green IT

Jedes Jahr wabern neue Trends durch die Presse und die CeBIT ist der beste Spiegel für diese alljährlichen Hypes der IT-Branche. Der interessierte Beobachter der Szene erkennt ab und an mal wirklich Neues, meist jedoch finden wir alte Bekannte in neuem Gewand. Einer der großen Trends ist immer wieder Green IT, ist doch Solar und Windkraft bereits seit Jahren in aller Munde und damit auch die Erkenntnis, dass die Energiewende nur durch Strom sparen erreicht werden kann.

Der jüngste Bericht von Greenpeace bringt allerdings erschreckende Kennzahlen, denn das Thema Cloud boomt und damit auch das Bestreben der Anbieter, soviel Daten wie möglich an sich zu reißen und somit den Kunden auf Gedeih und Verderb an sich zu binden. Die weltweit betriebenen Datencenter verbrauchen nach den Informationen von Greenpeace ca. 15% mehr Strom als Deutschland insgesamt.

Zwar schönt jeder IT-Manager seine eigene Kosten- und Energiebilanz mit jedem ausgelagerten Kilobyte, global gesehen ist dies für die Umwelt jedoch eine Milchmädchenrechnung. Auch steuern die bereits oft gescholtenen Großkonzerne langsam auf einen ökologischeren Kurs ein und kündigen an auf grünen Strom umzusteigen, insgesamt bedienen sich die IT-Multis aber bis auf wenige Ausnahmen noch zu einem überwiegenden Anteil an Atom- und Kohlestrom und schönen Ihre Bilanz dann mit Grünstromzertifikaten.

Nach wie vor sollten Daten mit Bedacht ausgelagert werden, denn ob es z.B. wirklich Sinn macht, ein Archiv oder Backup in die Cloud zu verlagern, sollte jeder IT-Manager von Fall zu Fall sehr genau abwägen. Daten, auf die sehr selten oder vielleicht sogar nie zugegriffen wird, gehören eigentlich nicht auf ständig rotierende und Strom verbrauchende Datenträger. Zwar sind auch die Hersteller von Plattensystemen mittlerweile auf die Idee gekommen, Festplatten bei Nichtgebrauch in den Schlaf zu schicken und auch auch die Mischung der Speichersysteme mit SSDs schönt die Energiebilanz, nur würde schon alleine aus Kostengründen eigentlich niemand auf die Idee kommen auf SSDs zu archivieren.

Immer wieder kommen Meldungen diverser Hersteller über die Entwicklung alternativer Speichertechnologien auf, in denen sehr oft holografische Speicher, basierend auf optischer Technologie, eine Rolle spielen. Schon immer waren Nearline- oder Offline-Speicher fester Bestandteil der Speicherpyramide, denn Daten auf einem Band oder einem optischen Datenträger zu halten, verbraucht ohne Zugriffe kaum Energie. Nach Angaben der Computerwoche hat Hitachi jüngst die Studie eines neuen Quarzglas-Speichers vorgestellt, was eindrucksvoll belegt, dass selbst die großen Player im Speichermarkt nach Alternativen zur Festplatte suchen, wenn es um die Langzeitarchivierung von Daten geht. Einige Alternativen hatte ich schon in einem früheren Artikel vorgestellt (Wer schreibt, der bleibt) und es kommen ständig neue Entwicklungen hinzu.

Auch die traditionellen Hersteller optischer Technologien formieren sich neu und suchen gemeinsam nach Lösungen für die Zukunft, wie Pioneer mit einer Pressemeldung im September bekannt gab. Gemeinsam mit JVC, Misubishi, Epson und einigen weiteren Unternehmen formieren diese sich in der “Optical Archive Group”, um neue und revisionssichere Archivsysteme zu entwickeln und diese zu promoten.

Bleibt zu hoffen, dass auch die Cloud-Architekten einen gesunden Technologie-Mix finden, damit sich die Diskussion nicht nur um die Herkunft des Stomes dreht, sondern auch Sparpotentiale erkannt werden und die entsprechenden Lösungen in die Angebote und Infrastrukturen der Cloud-Datencenter einfließen.