Blackbox für Autos - Helfer oder Überwachung?

Blackbox für Autos – Helfer oder Überwachung?

Nach einem Flugzeugunglück startet sofort die Suche nach der Blackbox, denn nur mit dieser kann in der Regel der Unfallhergang eindeutig geklärt werden. Aufgezeichnet werden Daten wie Geschwindigkeit, Flughöhe, die technischen Daten des Flugzeugs, aber auch die Konversation im Cockpit.

Mitglieder des Bundestages hatten eine Petition, die Blackboxen für PKWs verpflichtend einzuführen, bei der EU eingereicht, der jetzt zunächst einmal eine Absage erteilt worden ist. Die Befürchtung damit den gläsernen Autofahrer zu schaffen sind nicht von der Hand zu weisen, denn auch schon TomTom handelte in 2011 mit den über die GPS-Geräte gesammelten Daten, mit denen dann die niederländische Regierung die Blitzfallen-Standorte optimierte. Zwar bedienen sich die geforderten PKW-Systeme nur eines Ringspeichers, in welchem weniger als eine Minute Daten wie Beschleunigung, Richtungsänderungen, Licht, Blinker, Bremsverhalten etc. abgelegt werden, jedoch ist der Schritt für eine weitergehende Datensammlung nicht all zu groß.

Ab 2015 werden ohnehin für den von der EU geforderten E-Call in allen Neuwagen SIM-Karten verbaut sein und ganz nebenbei einen Wust an Daten übermitteln. Rechtlich ist der PKW darüber hinaus dann mit einem Mobiltelefon gleichgestellt, womit dann auch Bewegungsdaten (einloggen der Karte in Funkmasten etc.) über die Vorratsdatenspeicherung aufgezeichnet und für 3 Monate gespeichert werden.

Die Befürworter der Crash-Box argumentieren mit einer höheren Rechtssicherheit bei Unfällen, aber auch mit einer höheren Verkehrssicherheit, da Fahrer mit dem System an Board automatisch vorsichtiger fahren würden, wie eine durch die EU-Komission in Auftag gegebene Studie behauptet.

Datenschützer, sowie auch der ADAC sehen diese Forderung allerdings sehr kritisch, denn neben den genannten Fahrzeugdaten sind bei der Unfallaufklärung natürlich auch viele Umgebungsvariablen ausschlaggebend, welche von der Blackbox in der jetzigen Form nicht aufgezeichnet werden würden. Die Befürchtung, dass die bloße Aufzeichnung dieser Daten, wie im Fall des Datenhandels von TomTom, Begehrlichkeiten weckt, sei jedoch sehr groß.

Die Diskussion entzweit die Lager, ist doch der Fahrtenschreiber bei LKWs Pflicht und die Blackbox bei neuen Polizei- und Rettungswagen auch schon obligatorisch. In der Schweiz bieten Versicherungskonzerne für Fahrzeuge von Fahranfängern mit Blackbox Rabatte und in den USA werden die elektronischen Überwacher für Neuwagen demnächst obligatorisch.

Wie bei allen kleinen, uns überwachenden Helferlein, sehe ich mehr Gefahren für den Datenschutz, als den praktischen Nutzen. Leider zeigt die Realität immer wieder, dass derlei Datensammlungen, wie im Fall von TomTom, in dem die Nutzer lediglich der anonymen Datenweitergabe zur Produktverbesserung zugestimmt hatten, immer wieder missbraucht werden. Auch wenn die Industrie uns mit immer neuen Produkten à la “pay as you drive” Versicherungen oder ähnlichem beglücken wird, bleibt ein fader Beigeschmack, denn der dahinter zu erwartende Datenhandel, könnte die Umsätze mancher Auto- und Equipmenthersteller schnell überflügeln – und davon profitieren wir am wenigsten…