Ich versuche einmal das Thema von hinten aufzurollen, da nicht nur Google+ Bestandteil ist, sondern auch das Videoportal YouTube. Jeden Monat verirren sich mehr als 800 Millionen Benutzer auf das Portal und schauen dabei insgesamt 4 Milliarden Stunden Video. 72 Stunden Videomaterial landet in jeder Minute bei YouTube, hochgeladen von den Benutzern. Das Portal bezieht 70 Prozent seines Datenverkehrs von ausserhalb der USA. Statistisch betrachtet hatte YouTube im Jahr 2011 mehr als 1 Billion Video-Ansichten.

Beeindruckende Zahlen, die YouTube im Pressecenter ausgibt? Ja, das finde ich auch. Nun kommt das Netzwerk von Google ins Spiel, Google+. In diesem ist es ja problemlos möglich, Videos einzubinden und diese der Welt zu präsentieren. Videos hatten unter Umständen in Sachen Vernetzung ab und an einen Nachteil: sie mussten im Vorfeld aufgenommen werden. Um Videos um die klassische Vernetzung und um ein Live-Gefühl zu erweitern, führte Google+ seinerzeit die Hangouts on Air ein.

Dabei kann man über einen eigenen YouTube-Kanal ein Live-Video streamen. Dieses kann man nicht nur alleine bestreiten, sondern auch mit mehreren Teilnehmern, die verstreut auf der Welt sitzen können. Das Tolle? Jeder kann seine eigene Show machen und klar definieren, ob nur ein bestimmter Personenkreis zuschauen darf, oder die ganze Welt. Live produzierte Hangouts lassen sich zudem noch für das spätere, konservierte Sehen auf YouTube zur Verfügung stellen. Mittlerweile sind die Hangouts on Air auch in Deutschland freigeschaltet, was vorher nicht möglich war. Viele vermuteten als Grund den Rundfunkstaatsvertrag.

Dieser legt fest, dass man eine Sendelizenz benötigt, sobald man einen Livestream anbietet, dem mehr als 500 Zuschauer gleichzeitig beiwohnen können. Dieser Vermutung hatte Google zum Start von Hangouts on Air dem Spiegel gegenüber widersprochen. Die Verzögerung habe nichts mit dem deutschen Rundfunkrecht zu tun, hieß es in einer Stellungnahme. Wie in der Überschrift erwähnt: so kann jeder zum (Live-)Star werden.

Nicht nur aus der YouTube-Konserve, sondern live bei mir, in meinem Google+Stream. Und ja, man darf durchaus behaupten, dass ich in meinen Hangouts on Air ein erfrischenderes Programm zu sehen bekomme, als im klassischen TV-Programm. Dennoch, Google legt die Verantwortung in die Hand der Anwender, besonders erfolgreiche Dauersender sollten sich schlau lesen.

In den Bedingungen heißt es: “Sie sind selbst dafür verantwortlich, die Einhaltung aller anwendbaren Gesetze und Vorschriften zu gewährleisten, darunter auch der einschlägigen Urheberrechtsgesetze und Übertragungsvorschriften wie der EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste. Diese ist beispielsweise für Hangouts On Air im Serienformat relevant, die von Nutzern in der EU gestartet werden. Näheres dazu finden Sie in einer Checkliste der Medienanstalten.

Dennoch: die klassischen TV-Macher, die den Laptop oder das Tablet vielleicht noch jetzt süffisant als Second Screen abtun, sollten vielleicht umdenken. Laptop, Tablet und Smartphone sind schon lange kein Second Screen mehr – zumindest nicht für viele der Netz-Affinen. Für sie ist maximal das TV-Gerät der Second Screen.