Fiber – Google wird zum Internet-Provider

Was Google anbietet und womit Google Geld verdient, das waren schon immer zwei Paar Schuhe. Für Googles meistgenutztes Produkte, die Suche, hat noch nie jemand einen Cent bezahlt, dennoch läuft das Geschäft mit den Werbeanzeigen hervorragend.
Für den Betriebswirt ist das ein Albtraum. Stichwort Investitionsentscheidung. Wenn Google seine Suche verbessert, dann bringt das erst mal keine höheren Werbeeinnahmen, dennoch ist die Qualität letztendlich entscheidend für die Nutzung der Suchfunktion und damit die Einnahmen.
Dieses für Google bekannte Modell wird neuerdings auch auf andere Bereiche übertragen. Beim Multimedia-Tablet, Kindle Fire, zahlt Amazon wohl eher drauf als zu verdienen. Lohnen wird sich das Geschäft trotzdem, weil Kindle-Käufer eben auch eBooks, Music, Filme, Zeitungen und Zeitschriften bei Amazon kaufen.
Eine ähnliche Rechnung wird Google wohl auch bei der Planung von Fiber angewendet haben. Der günstigere Tarif ohne TV-Übertragung kostet 70$. Das klingt nach viel, ist aber für amerikanische Verhältnisse günstig. Die OECD ermittelt Kosten von 90$ für einen herkömmlichen 50 Mbit Anschluss in den USA. Google bietet 1000 Mbit. Wer sich das bisher nicht leisten konnte oder wollte, wird nun vielleicht Googles kostenloses Internet nutzen. Für eine einmalige Anschlussgebühr von 300$ lassen sich 5 Mbit ohne monatliche Gebühr genießen. Garantiert für 7 Jahre.
Die eigentlichen Einnahmen plant Google dann wohl bei seinen zahlreichen Produkten. Dabei wird die Suche eher eine Nebenrolle spielen. Profitieren können vor allem Film- und Serienangebote auf Youtube und Google Play, aber auch Drive und Plus. Die Chromebooks und Applikationen aus dem Chrome Web Store werden gestärkt. Cloud Gaming könnte zu einem neuen Geschäftsfeld werden. Und wer weiß, was Google noch in der Pipeline hat.
Da dieses Angebot bisher auf Kansas City beschränkt ist und die Installationsarbeiten wohl bis Mitte 2013 brauchen werden, kann Google den großen Zugangsanbieter noch nicht wirklich Konkurrenz machen. Sollten diese aber aus ihrer Innovationsstarre aufwachen und sich auf den neuen Spieler einlassen, dann hätte Google sein Ziel schon erreicht: Schnelles Internet für Google-Produkte.