Endlich hat es Apple geschafft. Was geschafft? Den alten Sturkopf Microsoft davon zu überzeugen, dass eigene Hardware wieder trendy ist. Kein leichtes Unterfangen, denn Bill Gates hat das Unternehmen mit dem Ziel, auf jedem PC – egal von welchem Hersteller –  vorinstalliert zu sein, groß gemacht. Mit Erfolg. Während sich die Hersteller auf einem Preiskampf einließen, konnte Microsoft fleißig Windows-Lizenzen verkaufen. Dieses Modell galt als das Nonplusultra. Bis Apple daher kam und ein Smartphone-Betriebssystem, das nur auf einem einzigen Gerät laufen sollte, vorstellte. Viele meinten damals, dass Apple damit einen Kardinalfehler begangen hätte. Ein großer Irrtum wie sich herausstellte.

Dennoch kostete diese Einsicht viel Zeit. Fünf Jahre nach dem Start des iPhone hat Microsoft die Zügel nun wieder in die Hand genommen. Mit Microsoft Surface wurde eine eigene Tablet-Gerätefamilie vorgestellt. Hardware und Software aus einer Hand. Wie konsequent Microsoft die neue Strategie verfolgt werden die nächsten Monate zeigen. Eine Übernahme von Nokia wäre der nächste logische Schritt. Damit wären Apple und Microsoft wieder auf einem Level. Etwaige Reaktionen der OEM-Partner (Geräte-Hersteller, die Windows-Software vorinstallieren) wären zu vernachlässigen, denn bei PCs ist Windows konkurrenzlos und bei Android ein Untergang in der Masse gewiss.

Vermutlich werden auch bei Google die Köpfe rauchen. Dass auf externe Hersteller nur bedingt Verlass ist, musste man auch dort schon feststellen. Seitdem gibt es die erfolgreichen Nexus-Geräte, Android-Smartphones nach Googles Vorgaben. Gut möglich, dass sich auch Google gezwungen sehen wird, seine Hardware-Ambitionen zu verstärken. Glücklicherweise und vielleicht nicht ganz zufällig steht mit dem kürzlich erworbenen Hersteller Motorola Kapazitäten und Erfahrungen zu Verfügung.

Wird Microsoft Surface ein Erfolg? Schwer zu sagen. Vieles ist noch unklar. Preis? Laufzeit? 3G? Dazu kommt, dass Nutzer von Windows 8 RT (Tablet-Variante) nicht auf den unendlichen Pool von Windows-Programmen zurückgreifen können, da dieser erst für die neue Version adaptiert werden muss. Sollte das geschehen und Surface auch sonst überzeugen, dann hat Microsoft einen großen Schritt gemacht. Für viele Konsumenten könnte ein Surface dann die attraktive Alternative zu Notebook und Tablet-PC sein.