Es war ein Paukenschlag: Am 18. August 2011 verkündete der weltgrößte PC-Hersteller Hewlett-Packard sein mobiles Betriebssystem WebOS aufgeben zu wollen. Nur ein Jahr, nachdem man den Smartphone-Hersteller Palm für 1,2 Milliarden Dollar übernommen hatte und keine 2 Monate, nachdem der Verkauf des HP Touchpads begonnen hatte. Unfassbar.

Viele konnten diese Entscheidung nicht nachvollziehen und warfen dem deutschen CEO von HP, Léo Apotheker, eine fundamentale Fehlentscheidung vor. Einen Monat später musste der nach nur 11 Monaten als Chef den Konzern verlassen (allerdings mit einer 7-Mio-Abfindung im Gepäck).

Dabei hatte Apotheker das Projekt erst unterstützt und weitere Ressourcen zur Verfügung gestellt. Im Laufe des Sommers 2011 muss ihm allerdings klar geworden sein, dass Hardware und ein Betriebssystem noch kein erfolgreiches Produkt machen. Apps hätten her gemusst und zwar viele, gute und das am besten exklusiv. Ein völlig neuer Arbeitsbereich für HP. Einen, den sie bisher unterschätzt hatten und mit dem sich Google, Nokia (Ovi Store) und Microsoft sichtlich schwer taten. Apotheker sah vermutlich, dass diese Kompetenz fehlte und dass man den anderen Großen auf Jahre hinterher laufen hätte müssen. Fazit: Lieber ein Ende mit Schrecken…

Ich bin einer der Glücklichen, die bei dem folgenden beispiellosen Ausverkauf ein Touchpad ergattern konnte. Außerdem gehöre ich zu der Gruppe, die HPs Entscheidung gut nachvollziehen kann. Allerdings bedauere ich sie sehr, denn WebOS ist ein tolles Produkt.

Wie jedes Betriebssystem hat WebOS seine guten und schlechten Seiten. Das Highlight für mich ist allerdings das Multitasking (Verwalten von aktiven Programmen). Eine Sache, die mich bei Android ziemlich nervt und auch bei iOS immer noch nicht optimal gelöst wurde. WebOS hingegen setzt auf eine einfache Metapher: Der Bildschirm ist mein Arbeitsplatz. Ich kann eine Schublade (Launcher) öffnen und Akten (Cards) herausnehmen, anschauen und dann ablegen. Auf meinem Schreibtisch behalte ich so den Überblick und ein kleiner Stubs genügt und schon schmeiße ich eine nicht mehr benötigte Akte vom Arbeitsplatz.

Wem das zu abstrakt war, der sollte sich vielleicht folgendes Video anschauen:

Glücklicherweise wurde WebOS doch nicht ganz aufgegeben. Bis September soll es eine Open-Source-Version geben. Vielleicht bekommt WebOS nochmal eine Chance, wenn die Bedeutung der App als mobiles Medium abnimmt und das Internet mit seinen Möglichkeiten wieder in den Vordergrund rückt. Denn wie der Name schon sagt, dafür wurde WebOS geschaffen.