Tape: Totgesagte leben oftmals länger
Zunächst wurden Bänder ähnlich der einstigen Audio-Tonbänder auf Rollen genutzt, 1984 fanden dann die ersten Kassetten ihren Einsatz, welche IBM noch lange in den Mainframe-Systemen nutzte. Da die Bänder hierdurch handlicher und leichter zu wechseln waren, gab das den Startschuss für eine neue Speicherindustrie mit einem Wildwuchs an Formaten.
Formatkrieg
Auf den Erfolgszug des Magnetspeichers versuchten dann in den 80er und 90er Jahren viele Wettbewerber aufzuspringen und entwickelten eigene proprietäre Formate, die untereinander nicht kompatibel waren. Hier tauchten dann Akronyme wie DLT (Digital Linear Tape, zuerst Digital Equipment und dann zuletzt Quantum), AIT (Advanced Intelligent Tape, Sony), DDS (Digital Data Storage, HP und Sony), Mammoth (Exabyte) und nicht zuletzt LTO (Linear Tape Open) auf, um nur die bekanntesten zu nennen. Die meisten Formate haben sich langfristig nicht durchsetzen können und sind nach wenigen Jahren wieder vom Markt verschwunden. Allein LTO konnte sich als offener Standard gegen alle Wettbewerber, die teilweise irrsinnige Lizenzgebühren zur Nutzung der Technologie verlangten, durchsetzen.
Kompatibilität
Bei allen Vorteilen war und ist einer der größten Nachteile die fehlende Kompatibilität unter den verschiedenen Formaten und die geringe Kompatibilität der verschiedenen Generationen eines einzelnen Formates. Wurde ein Produkt abgekündigt, musste man schleunigst alle Daten auf neue Datenträger migrieren, da sonst die Gefahr bestand, die Daten nicht mehr lesen zu können, wenn das Laufwerk das Zeitliche segnete. Wenige Ausnahmen (LTO) erlauben zumindest heute in neueren Laufwerken die Kassetten einer Vorgängergeneration zumindest zu lesen (LTO 5 kann LTO 4 sogar beschreiben), womit man sich das Kopieren der Daten und die Beschaffung neuer Speichermedien erspart, was je nach Speicherbedarf (z.B. in einem Krankenhaus, Bank, Versicherung) schnell ganz schön ins Geld gehen kann, vom Arbeitsaufwand und damit Personalkosten ‘mal ganz abgesehen.
Einsatzgebiet
Während die Masse der Bänder in kleinen Firmen als Backup-Medium eingesetzt werden, finden die Kassetten in großen Robotern ihren Einsatz zusätzlich im Storage und teilweise auch im Archivbereich. Da die meisten Tapes, anders als bei Festplatten, wo einzelne Dateien verändert, gelöscht oder überschrieben werden können, nur linear beschrieben werden, zeigt der Einsatz des Bands als Storage-Medium erst bei großen Dateien und Datenmengen seine volle Stärke.
Anders als bei Festplatten, können Daten auf Tape für lange Zeit unkompliziert gehandhabt werden, da im Ruhezustand weder Strom verbraucht wird, noch Wärme entsteht, welche im Rechenzentrum wiederum gekühlt werden müsste. Auch die Haltbarkeit der Bandmedien wird von einigen Herstellern auf 30 Jahre beziffert, wodurch den meisten Aufbewahrungspflichten nachgekommen werden kann.
Weiterentwicklungen
Mit LTO 5 wurde gerade der jüngste Spross des marktbeherrschenden Standards vorgestellt. Mit einer nativen Kapazität von 1.5 TB (3 TB komprimiert) und einem Datendurchsatz von 140 MB/s auf einer Länge von 846 Metern hat sich in den letzten 60 Jahren einiges getan. Die Roadmap zeigt heute schon eine achte Generation mit nativen 12.8 TB (komprimiert 32 TB) und einer Datenübertragungsrate von bis zu 1.180 MB/s (komprimiert).
Auch am Filesystem wird kräftig geschraubt. Wo früher die Bänder nur mit der Software gelesen werden konnten, mit der sie beschrieben worden sind, bemüht man sich auch hier um eine Standardisierung. Mit LTFS wird zudem eine Sektorisierung des LTO 5 Bandes vorgenommen, die es erlaubt sequentiell auf Daten zuzugreifen und diese auch zu verändern. Das Band erhält ähnlich einer Festplatte ein Directory, welches die Position jedes einzelnen Files vorhält und dementsprechend angesteuert werden kann.
Totgesagte leben länger
Zwar sind die Hersteller von Storagetechnologie in der komfortablen Situation, dass die Kunden -einmal an eine Technologie gebunden- selten wechseln und der stetig wachsende Speicherbedarf kontinuierliche Umsätze beschert, jedoch zwingen die teilweise extremen Wachstumsvorgaben diese Unternehmen immer mehr neue Einsatzgebiete für die jeweiligen Produkte zu finden. So versuchen Festplatten- und Tape-Hersteller eigentlich wiederbeschreibbare Medien als Archivmedium zu positionieren, die Festplattenfraktion versucht dem Tape-Markt Anteile durch virtuelle Tape Libraries und Backup-to-Disc abzunehmen und die Cloud versucht wiederum allen Marktanteile zu entreißen.
Für alle Technologien gibt es Vor- und Nachteile für die jeweiligen Einsatzgebiete und die Wahl des richtigen Mediums ist zuletzt mehr eine Frage der Philosophie. Tape hat einen sehr langen Atem bewiesen und wird sicherlich auch noch lange unter uns weilen… Happy Birthday!
