Kopfhörig

Das 5. CeBITsche Gesetz besagt, dass man grundsätzlich erst ein paar Sekunden bevor man erschöpft aufgeben möchte, das findet, was man sucht, und genauso war es auch, Samstag am Spätnachmittag auf der Zielgeraden der CeBIT stehe ich in Halle sowieso vor dem Stand von “Sonic Ear”*. Man ist ja an absurden pseudoenglischen Namen einiges gewohnt, aber “Schallohr”, meine Gutnis, ich bitte um Pardon. Zum Glück hat mein innerer Bastian Sick gerade Pause, deshalb gehe ich hinein. Ich frage nach dem besten Kopfhörer, bekomme ihn – aber auch der Werbespruch auf der Packung bringt eine gewisse Untiefe mit sich, “Not your ordinary Earplug”, das hat man schon so oft gelesen, dass die sicherste Art not ordinary zu sein inzwischen ist, einfach ordinary zu sein. “Your ordinary Earplug”, die wären doch sofort ausverkauft (ausser sie wären klobig). Das Vorführmodell ist flugs angelegt – und boom, oder vielmehr unboom. Denn sie schliessen schall- und gefühlt auch luftdicht, das muss man schon mögen, um es zu mögen.
Ein schneller Buttontouch-Knopfdruck auf Random und das hämisch grinsende Schicksal wirft Calvin Harris’ “It was acceptable in the 80ies” in den Ring, die Hymne von Irokesien, meine Hymne. Ein Lied mit einem famosen Basslauf, der auf den normalen Apple-Kopfhörern als zirpiges Schallfolienknarzen erscheint, so bassintensiv, als würden ein paar Fünfjährige auf Helium die Communards a cappella imitieren. Die Schallohren dagegen: tadellos, hervorragend sogar. Der Calvin-Harris-E-Bass klingt tief und dröhnend wie berstender Gletscher, ja, ich kann das beurteilen, ich war schon mal beim Perito Moreno (VORSICHT, Link führt zu einem Enya-verseuchten Video). Und vor allem kann man so laut stellen, dass Passanten mit Kopfhörern einen bitten, die Musik leiser zu stellen. Ich bin kein Experte im Beschreiben von Klangerlebnissen, aber es ist toll. Als würde die Musik in der Mitte des Kopfes entstehen. Realistisch geschätzt ist im direkten Umfeld wegen der passgenauen Dichte der Gummipinöppel alles unterhalb einer Autobombe akustisch nicht wahrnehmbar. So sollen Kopfhörer sein, sie sollen die offensichtlich von Eric-Satie-Fans erdachten EU-Vorschriften zur Wahrung des Volkshörvermögens gekonnt missachten, sie sollen im Bedarfsfall gletscheresk Wummern ohne Folienknistern und sie sollen jedem Fremdschall gegenüber feindlich und abwehrend gesonnen sein.
Jedenfalls bin ich nun im Besitz eines solchen Paars, als Werbegeschenk oder für fünfzig Euro gekauft, ich habe vergessen, was von beidem auf der CeBIT verboten und was erlaubt war und das Erlaubte war es dann nachträglich. Wenn man so schnell und heftig begeistert ist wie ich, vergisst man jedoch leider recht oft, die Randbedingungen zu checken und dann liegt die gebuchte Ferienwohnung im dritten Tiefgeschoss unter einer Gerberei oder der Gebrauchtwagen ist nur für Gibraltar zugelassen oder so. So auch hier: die Kopfhörer haben zwar ein Mikrophon, das allerdings klingt beim telefonieren so mittel, Zitat Holm Friebe: “Bist du gerade in einer Gruft?”
Darüberhinaus fehlt der Knopf zur Songweiterschaltung, den ich wegen eines extrem phasendifferierenden Musikgeschmacks – was ich gestern liebte, finde ich heute abstossend – beim Shuffeln ständig benötige. Und dennoch bereue ich die Entscheidung für meine neuen Kopfhörer nicht, und das liegt neben dem basssatten Bass vor allem an der Zugabe von mehreren Dutzend Ersatzpinöppeln (siehe Foto unten). Da ich den Pinöppelverlust unterwegs vom Qualfaktor irgendwo zwischen Waterboarding mit Lakritzesirup und Schlagerparade ansiedeln würde, ist das ein nicht hoch genug einzuschätzender Gewinn. Man kann in jede verfügbar Tasche vier bis acht Ersatzpinöppel hineintun und wird sich nie wieder in überraschend pinöppellosen Situationen wiederfinden, was man ja schon seinem zweit- bis drittärgsten Feind nicht mehr wünscht. In-Ear-Plug-Mission accomplished.
* nach längerer Recherche hat sich gezeigt, dass der Markenname eigentlich Sonic Gear ist, nur ist das G ungünstig über das C gelegt im Logo. Ich ändere das jetzt aber nicht mehr, selbst Schuld, Sonic Ear. Hier kann man sie (in Malaysia) bestellen, danke für den Hinweis, @sebbbster.
Famoserweise endlich gefunden: bassstarke In-Ear-Kopfhörer http://1.ly/HEADphones
geht zwar um nix, aber macht spaß zu lesen! RT @saschalobo: endlich bassstarke In-Ear-Kopfhörer http://1.ly/HEADphones
RT @saschalobo: Famoserweise endlich gefunden: bassstarke In-Ear-Kopfhörer http://1.ly/HEADphones
http://de.wikipedia.org/wiki/Schmierinfektion
Ja toll und wo kann Otto Normalhörer die jetzt kaufen? Ich fordere das Recht auf Affiliate-Links in jeder Produktbesprechung!
Äh, darum habe ich mich noch gar nicht gekümmert, ich bin noch immer dabei, vermittels Paul van Dyk mein Trommelfell in Schutt und Asche zu legen. Kann man sowas heutzutage nicht googeln?
Auchtung WERBUUUUNG. Im Wert von 50€
Ohh mein Gott! Und ich dachte ich hätte etwas verpasst, auf der CEBIT.
Bin dann mal auf Amazon…
Sonic Gear?
The price you pay for bad logo design – ja, es muss eigentlich heissen: Sonic Gear, hier ist die Webseite. Das macht mir jetzt natürlich meinen schönen Text kaputt, aber wer kann denn sowas erkennen bei diesem Logo, wirklich jetzt mal.
Ich denke, der Laden heißt “SonicGear” :-)
Hast du mal die Ultimate Ears Super.fi 5 ausprobiert? Die kommen mir nicht bassschwach vor. Allerdings ist das aktuelle Modell etwas anders als die Version, die ich mir gekauft habe, und inzwischen hat Logitech den Laden gekauft, wer weiß, ob die Dinger noch was taugen. Nachteil gegenüber den Sonischen Ohren: geschätzt ca. 2-3mal so teuer.
Bis heute dachte ich, “pinöppelin/pinöpel” würden mit einen p hinterm ö geschrieben. man lernt nie aus.
So geht guter Text: Bin drauf und dran mir welche zu kaufen, als mir auffällt: ich höre so gut wie nie unterwegs Musik mit Kopfhörern, weil ich ja im Straßenverkehr dann doch lieber den nahenden Radfahrer oder Axtmörder hören würde und es auch generell einfach hasse, in der Öffentlichkeit eines meiner wichtigsten Sinne beraubt zu sein.
Danke Kiki; das war früher auch meine Meinung, bis ich auf eine Studie gestossen bin, nach der die übergroße Mehrheit der Axtmörder praktisch lautlos arbeitet.
Auch ich bin auf einer ewigen Suchen nach guten in-ear Kopfhörern. Probehören ist außerhalb einer Veranstaltung wie der Cebit (sprich: im Media Markt) kaum möglich. (Obwohl Probekaufen wohl gern gesehen wird.)
Insofern wäre ich dir ja unendlich dankbar, wenn du irgendwann mal kurz listenmäßig niederschreiben würdest, was deine Erfahrungen mit anderen Produkten waren und ob da noch irgendwas akzeptables dabei war.
Die Sonic Gears werde ich sicherlich in Betracht ziehen, aber für den Tagesgebrauch fände ich auch nicht vollständig abschließende Plugs mit akzeptabler Klangqualität interessant.
Wenn du die Bassfähigkeit deines Kopfhöhrers testen willst, probier es mit
‘maccaron chaccaron’ oder mit ‘Troy Pierce: 25 bitches (Gaiser RMX)’
Offensichtlich bin ich nicht allein :-) Mein fünftes Paar In ears hat gerade nach nur einem halben Jahr aufgegeben.
Kurze Frage daher: Sind Sie (Du) immer noch zufrieden mit den Kopfhörern? Oder sind sie nun auch schon wieder futsch?
Danke
PS: Grad gesehen, dass ich hier gar nicht “Benachrichtigung bei neuen Kommentaren” klicken kann – muss ich wohl mal wieder vorbeischauen