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Kennt ihr das? Euch brennt eine Frage unter den Nägeln. Am schlimmsten sind die völlig belanglosen, die einen abends im Bett beschäftigen. Früher hatte ich eine Freundin, die ich in diesen Fällen anrief. Man konnte sie fast jederzeit anrufen und ganz ohne Umschweife zur Sache kommen: "Sag mal, wie heißt das Lied mit dem Musikvideo, in dem so ein rothaariger Typ am Klavier …?" - Heute haben wir unsere Smartphones: Google, Wikipedia, Wolfram Alpha und Shazam in der Hosentasche.

Aber je häufiger man diese Dienste benutzt, desto öfter kommt es vor, dass Google und Wikipedia auf Anhieb keine Antwort parat haben. Dann frage ich twitter. Der Nachteil: Die Nachricht geht an niemanden und doch irgendwie an alle. Eine Alternative sind Frage-Communities wie Yahoo Answers oder wer-weiss-was.de. Leider sind das aber auch nur Foren in denen die Kommunikation zwischen Nutzern auf Frage und Antwort beschränkt ist - Relikte aus einer Zeit als das Internet, auch dieses "Mitmach-Web-2.0", hauptsächlich aus Formularfeldern bestand (na gut, in großen Teilen tut es das noch immer). Das Internet besteht auch aus Menschen, Diensten und Informationsströmen. Aardvark ist ein Dienst, der das nutzt.


aardvarkDas Prinzip ist einfach: Man meldet sich an und gibt einige Themen an, zu denen man Fragen beantworten will; ein paar Häkchen noch wie oft, wann und über welche Kanäle man kontaktiert werden möchte (Instant Messenger, twitter, E-Mail), und voilà: Ansprechpartner für alle ungelösten Fragen ist ab jetzt ein schwarzes Erdferkel. Das spricht einen dann hin und wieder höflich über Messenger mit Fragen an (allerdings nicht, wenn man seinen Status auf "Abwesend" gesetzt hat). Eigene Fragen kann man ihm über twitter, per iPhone-App oder auf der Website zukommen lassen; die meisten werden innerhalb von fünf Minuten beantwortet. Weiss man selbst keine Antwort, kann man die Frage an einen Freund weitergeben. Interessiert einen eine Antwort ebenfalls, lässt man sie sich mit einem Klick per Mail zusenden.

Eine Ratgeber-Community lebt von ihren Mitgliedern. Bei Aardvark liegt ein Schwerpunkt auf technischen Expertenfragen, aber auch zum Kauf der richtigen Bowling-Schuhe und zu Schwangerschaft finden sich Antworten. Manche Nutzer trauen Aardvark sogar zu, ihnen zu einem Businessplan für ihr Startup zu verhelfen.

Ja, ich weiß: Die Idee ist nicht neu, der Dienst übrigens auch nicht, Aardvark ist nicht revolutionär und sicher auch nicht das nächste große Ding. Aber es ist einfach und nützlich. Und es erfüllt mich mit dem dankbaren Gefühl, dass es Menschen gibt, die verstanden haben, wozu das Internet gut sein kann - und dass es gut ist.

Zum Beispiel hat Aardvark verstanden, dass ich keine Lust habe mich ständig einzuloggen um nachzusehen, was abgeht. Eine Wunschliste mit Features habe ich aber auch (Nach Kontakt mit Aardvark durfte ich feststellen, dass einige meiner Wünsche schon erfüllt sind - Nachgetragenes ist kursiv.):

  • Anmeldung und Login soll über OpenID und/oder den eigenen twitter-Account möglich sein. (Ersteres ist bereits geplant.)
  • Die "refer to a friend"-Funktion sollte erlauben, Fragen an Freunde weiterzugeben, die nicht bei Aardvark registriert sind, per Mail oder über twitter. (Per E-Mail funktioniert das bereits.)
  • Aardvark soll Expertenthemen vorschlagen - anhand von tweets und Profilen bei anderen Netzwerken (LinkedIn, Facebook etc.). (Nachtrag: Wird bereits so gemacht - bald auch anhand von Blogs.)
  • Eine Android-App. (Bereits geplant.)
  • Ein Reputationssystem. (Nicht vorgesehen.)