Geolokalisation: Ich weiß, wo ich bin, oder?
Die Idee, Menschen personalisierte und regionalisierte Informationen zukommen zu lassen, ist nicht so neu. Man bastelt seit Jahren an Portalen, die die Nutzer mit Infos aus der Region versehen. Nur mussten die bisher vom User abgeholt werden, in dem man eine Webseite aufrief, dort seine Postleitzahl eingab und dann erst an die Infos kam. Geolokalisierte Dienste, die mit dem Handy arbeiten, machen einem das Leben leichter. Sie suchen meinen Standort sagen mir dann, was um mich herum ist.
Die Frage, die mir meine Eltern neulich stellten, als ich ihnen angemessen begeistert von all dem GPS-Schnickschnack erzählte, lautet aber durchaus: “Und warum brauch ich das jetzt schon wieder?”
Im Gegensatz zu Blogs, Twitter und HD-Fernsehern haben Lokalisierungssysteme aber tatsächlichen einen Vorteil, der selbst einem seit 1993 offlinigen Menschen sofort einleuchtet: Man kann Dinge finden, wenn man irgendwo fremd ist. Zum Beispiel Apotheken, Restaurants oder Geldautomaten. Oder Menschen.
Wird man in einer unbekannten Stadt ausgesetzt, bedarf es nur eines Smartphones und zum Beispiel dem Programm “Aloqa”. Das schaut nicht nur nach, wo man sich gerade befindet, sondern sortiert schön nach sogenannten “Channels” was sich alles in der näheren Umgebung befindet. Darunter fallen auch Starbucks, McDonalds, Geldautomaten und eventuelle Facebook-Freunde. Das Angenehme an dem Programm: Es fasst viele andere Angebote zusammen (Qype, Starbucks-Finder etc.) und es greift auch noch auf Google Maps zu um die schnellste Route zum gewünschten Laden anzuzeigen.
Einen etwas anderen Weg geht “Foursquare”. Die lassen sich ihre Datenbank von den Usern aufbauen. Und statt den Anwendern etwas zu liefern, sollen die gefälligst die Orte, Restaurants und Geschäfte anlegen. Möglichst bitte mit Telefonnummer und URL. Gut – Qype hat das auch so gemacht, aber da hat man wenigstens den Vorteil, dass man auch eigene Kommentare abgeben kann. Bei Foursquare bekommt man Punkte und kann “Bürgermeister” eines Ortes werden.
Sinnlos, auf den ersten Blick. Auf dem Zweiten aber nicht mehr, wenn man im Hinterkopf behält, dass es am Ende nur darum geht, dass man regionalisierte Werbung vermarkten möchte und gleichzeitig auch Einzelhandelsgeschäften den Weg in die sozialen Netze ebnen will. Und so soll Foursquare funktionieren: Loggt sich ein User sehr oft an einem Ort ein, scheint es ein Ort zu sein, den er mag. Das wiederum bedeutet, dass er den Ort auch Freunden empfehlen wird. Der Anreiz wird weiter erhöht, in dem Foursquare zum Beispiel mit einer Bar einen Deal abschließt. “Bürgermeister”, also jene User, die oft da sind, werden “belohnt” in dem sie ein Freigetränk bekommen. Damit wird der Reiz erhöht den Laden und auch Foursquare zu empfehlen. Der User empfiehlt den Laden, der wiederum Werbung bei Foursquare schaltet.
Das Geschäftsmodell ist dabei die Positionierung der Geschäfte auf einer Karte oder in den Empfehlungslisten. Will man als Einzelhändler da rein, wird in Zukunft zahlen müssen. So bricht man einen komplett neuen, bisher kaum erschlossenen Werbemarkt auf.
Doch Angebote wie Foursquare basieren immer noch darauf, dass man aktiv Daten abruft oder eingibt. “Brightkite” geht da einen anderen Weg. Dort werde die Angebote in Echtzeit ein Kamerabild eingebunden, das man mit seinem Handy aufnimmt.
“Augmented reality” nennt sich das und ist gerade dabei, die Welt zu revolutionieren. Informationen werden nicht über Webseiten oder Webseiten-ähnliche Gefäße eingeblendet, sondern direkt in das Bild der Handy-Kamera.
Problematisch an der schönen neuen GPS-Welt ist allerdings die Frage, was die Unternehmen mit meinen Profildaten machen. Zum einen könnte man ein Bewegungsprofil erstellen, ohne dass man auf polizeiliche Mittel zurückgreifen muss. Zum anderen geben die Daten auch wieder viel über meine Vorlieben preis, was Adresshändlern immer gut gefällt. Personalisierte Werbung ist da noch das kleinste Problem, das man sich vorstellen kann. Auf der anderen Seite: Wann und wie ich die Systeme nutze und mich lokalisieren lasse, ist meine Entscheidung und auf den klassischen Entdeckungsspaziergang in einer fremden Stadt muss man ja auch nicht verzichten.
Weitaus schwerer wiegt für die Anbieter das Problem, dass man die Systeme in Europa außerhalb seines Landes praktisch nicht gebrauchen kann. Da, wo es Sinn machen würde, zum Beispiel bei einem Ausflug nach London, kann ich die Angebote nicht nutzen, weil die Datenmenge für einen einzelnen Abruf so teuer ist, wie der gesamte Wochenendtrip in die Stadt.

Ich werde mit den beschriebenen und noch weiteren Standorddiensten auf der Cebit einchecken ;-)
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Geo-Lokalisation: Man kann zum Beispiel seine Brieftasche irgendwo liegen lassen und findet sie per GPS garantiert wieder.