Tablet-PC
Das nächste große Ding ist manchmal nur eine alte Idee, deren Zeit reif ist.
Spätestens seit das iPhone gezeigt hat, dass ein internetfähiges Gerät mit Touchscreen ohne Tastatur auskommen kann, ist die Zeit reif für Tablets. Oder genauer gesagt: Slates, wie man die tastaturlosen Tablet-PCs eigentlich nennt.

Damit wären wir auch schon beim Bezeichnungs-Salat: 'Tablet' bezeichnet mittlerweile alles, was flach ist, einen Touchscreen hat, aber größer ist als ein Smartphone. Bezeichnungen wie MID (mobile internet device) und UMPC (ultra-mobile PC) verschwinden langsam, zusammen mit den Grenzen zwischen den Geräteklassen. Die Spannbreite dessen, was man neuerdings unter Tablets zusammenfasst, ist dann auch recht groß: Displays von 7 bis 15 Zoll, Festplatten von 4 bis 60 GB. Was sie alle gemeinsam haben: Ihre wichtigste Anwendung ist das Internet. Und im Gegensatz zu einigen anderen Kandidaten für the next big thing wollen wir alle eines. Oder nicht…?

JooJooWeg vom Schreibtisch, ab auf die Couch, in der einen Hand die Teetasse, mit der anderen durch die Twitter-Timeline scrollen: Das verspricht mir ein Tablet.
Tatsächlich tue ich das bereits regelmäßig (die Tasse platziere ich allerdings aus Sicherheitsgründen auf dem Tisch), aber ich tue es auf einem 3,5-Zoll-Display. Das ist akzeptabel für ein Hosentaschen-Gerät, für die Couch ist es zu wenig.

Mein Wunsch-Produkt: Ein iPhone in groß (was nicht heißt, dass Apple draufstehen muss), mindestens 10-Zoll-Display, Multitouch, Bedienung ausschließlich mit den Fingern - dafür eine gute Software-Tastatur mit richtig gutem Wörterbuch, alternativ die Möglichkeit, eine Bluetooth-Tastatur zu verbinden, ein Betriebssystem, das auf Multitouch-Bedienung ausgelegt ist, ein Appstore. - Fertig.

Fast alle großen Hersteller arbeiten an der Entwicklung eigener Tablet-PCs, aber bisher gibt es kaum mehr zu sehen als Prototypen und blinkende "Pre-Order"-Buttons (erinnert uns an was, oder?). Appetitanregend sind sie allerdings, und zwei vielversprechende Modelle, das JooJoo und die Camangi Webstation, sind in den USA immerhin bereits vorbestellbar (auch wenn weitere Verzögerungen und Preisanpassungen keine Überraschung wären).

Das JooJoo ist der uneheliche Bruder des totgeborenen CrunchPad. Es hat ein 12-Zoll-Display, eine 4 GB SSD. Das UNIX-basiertes Betriebssystem soll innerhalb von 9 Sekunden direkt in seinen Webkit-Browser booten. Mehr als Internet kann es dann allerdings auch nicht. Trotzdem könnte es eine Alternative für manchen sein, der ursprünglich mit einem Netbook liebäugelte. Meinem Wunschprodukt kommt es zumindest den Spezifikationen nach schon recht nah - aber der Appstore fehlt. Zusammen mit dem Preis von 500$ könnte das für viele potentielle Käufer ein Hinderungsgrund sein. Auf erste Erfahrungsberichte darf man in acht Wochen hoffen.

Camangi WebstationMit ihrem 7-Zoll-Display ist die Camangi Webstation deutlich kleiner als das JooJoo und nur etwa doppelt so groß wie das iPhone. Für mich die falsche Größe: zu groß für die Hosentasche, immer noch zu klein für die Couch. Dafür benutzt sie Android, hat GPS und einen eigenen Appstore. Vielleicht eine Alternative zum E-Book-Reader für Menschen, die mehr Internet als Bücher lesen. Preis: Knapp 400$.

Unter den angekündigten Tablets für nächstes Jahr sind das ICD Ultra (7-Zoll-Bildschirm, Android, mit etwas Glück ab 250$), das ICD Vega (gerüchteweise in 7, 11 und 15 Zoll) und das Archos 9 (9 Zoll, Windows 7).

Ach ja: Und dann wäre da noch Apple.